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4.7.2010
19:30
Staatsoper Wien
SITZPLÄTZE
Kat. 1 EUR 106.-
Kat. 2 EUR 95.-
Kat. 3 EUR 82.-
Kat. 4 EUR 71.-
Al Green, die neben Bobby Womack und Solomon Burke letzte ganz
große Legende aus der goldenen Soulära, gastiert zum ersten Mal seit
1994 wieder in Wien. Al Green wurde 1946 in Arkansas in armen
Verhältnissen geboren. Vater Robert Greene, ein Hobbybassist, formte
nach der Auswanderung ins graue Grand Rapids in Michigan aus seinen
vier Söhnen Al, Robert, William und Walter die strikt gospelige
Wunderkindformation „The Greene Brothers“. Al Green (den Endvokal e
ließ er ab seinem zweiten Album weg) träumte schon früh davon der
nächste Sam Cooke zu sein. Seine eigentliche Realität fand er bereits in
Kindertagen in der Welt des R&B. Als er 16 Jahre alt war, erwischte ihn
sein Vater beim Hören von Jackie Wilsons „A Woman, A Lover, A
Friend“ und warf ihn raus. Es folgten unstete Jahre, in denen sich Green
total abgebrannt und teilweise sogar obdachlos, um so etwas wie eine
Sängerkarriere bemühte. In einem texanischen Musikklub traf er auf
den Mann, der ihn zur Weltkarriere führen sollte, den 1928
geborenen, heuer verstorbenen Trompeter und Produzenten Willie
Mitchell. Der erfahrene Mitchell erkannte das große Talent des jungen
Sängers, lieh ihm Geld, lud ihn nach Memphis ein. Es war der
schicksalswendende Moment im Leben Greens, als er gedanklich davon
abließ, der nächste Jackie Wilson zu werden, sich stattdessen Mitchell
anzuvertrauen, der die Vision hatte, dass Green mit stiller Glut punkten
müsse. Der bald einsetzende Erfolg gab ihm recht. Mitchell pflegte zu
sagen: „Bleib cool, Kid. Sing sanft, das entwickelt bei dir viel mehr
Kraft“ Green beherzigte diesen Rat und lancierte selbst komponierte
Welthits wie „I´m So Tired Of Being Alone“ (1971), „Let´s Stay
Together“ (1971), „Love & Happiness“ (1972), „Simply Beautfiul“ (1972)
und „Take Me To The River“ (1974). Seine Ausdruckspalette als
Komponist und Gesangsstilist reichte von äußerst sensitiven Balladen
wie „Something“, über Gospelstomper wie „Take Me To The River“ bis
hin zu freier Funkimprovisation, wie er sie 1975 im ekstatischen „Love
Ritual“ fasste. Auch als Interpret bekannter Songs aus Pop und Country
konnte er sich einen Namen machen. Seine beseelte Version von „For
The Good Times“ ist ebenso unerreicht wie seine Adaptionen von „The
Letter“ und „Unchained Melody“. Trotz Weltkarriere sehnte sich Al Green
Ende der Siebzigerjahre nach etwas Höherem. Eines Tages fuhr er mit
dem Auto durch die Gegend, erblickte die Gospel Tabernacle Church in
Memphis und beschloß sie zu erwerben. Mit den reichlich fließenden
Tantiemen seiner selbst komponierten Hits war das kein Problem. Dann
ließ er sich zum Reverend ausbilden, sagte der Musik im wahrsten
Sinne des Wortes Adieu und setzte seine Stimme viele Jahre lang
fast exklusiv für das Seelenwohl seiner Gemeinde ein. Ab und an nahm
er ein Gospelalbum auf, aber nur sehr selten tauschte er das „Jesus“ in
seinen Liedern gegen das weltliche „Baby“ ein. Zu Beginn der neunziger
Jahre reüssierte er zwar in Europa mit dem von der britischen Band
Fine Young Cannibals produzierten Album „Don´t look back“, in den
heimatlichen USA war er indes mehr oder weniger von der
musikalischen Landkarte verschwunden. Das änderte sich 2003 als er
sich zu einer musikalisch spektakulären Wiedervereinigung mit seinem
alten Weggefährten Willie Mitchell aufraffte und mit „I Can´t Stop“
und „Everything´s O.K.“ zwei epochale, weltliche Alben einspielte.
Leidenschaftlich jubiliert, quengelt, bellt und presst er seine stets
überschäumenden Gefühle zu klugen, sparsamen Arrangements
Mitchells, der wohl alle Hände damit zu tun hatte, Greens uferlosen
Gesang vor der Gefahr der Outrage zu bewahren. Der Reverend zapfte
seinen reichen inneren Vorrat an Gospelekstase an und machte sie den
Topoi der Liebe nutzbar. Sein bislang letztes Album „Lay It Down“ von
2008 zeigt ihn im Kreise junger Verehrer aus Hiphop und Neo-Soul. Als
Produzent fungierte Ahmir „Questlove“ Thompson (Drummer der
Roots). Er nahm mit den Dap-King-Horns, jener Bläsergruppe, die auch
Amy Winehouse begleitete, Keyboarder James Poyser und dem Philly-
Soul-Cellisten Larry Gold große Kollegen mit ins Boot. Für Duette
rekrutierte er John Legend, Anthony Hamilton und Corinne Bailey Rae.
Es wurde alles richtig gemacht. Al sang subtil wie eh und je.
Größtenteils thriumphiert karger Memphis-Sound, bei „You´ve Got The
Love I Need“ dominiert dann aber ein Philly-Breitwand-Arrangement.
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